Ein Blitzbesuch in Florenz: Eineinhalb Tage Genuss!

Wer sich einen ersten Eindruck von Florenz verschaffen will, muss vor allem eins: Viel gehen. Denn es gibt keine bessere Art die verborgenen Highlights dieser Stadt zu entdecken… und genießen!

Mit Sonnenbrille, Sonnenschutz und Kamera gewappnet, machen wir uns auf den Weg. Ein sonniger Tag erwartet uns! Unsere Haustür befindet sich in einem Innenhof im Viertel Bello-squardo, am südlichen Ufer des Flusses Arno. Hier treffen wir auf einige Autowerkstätte, welche sich auf die Reparatur der legendären Cinquecentos spezialisiert zu haben scheinen. Sobald wir auf der Straße sind, müssen wir zum Teil „hintereinander“ laufen: So eng sind diese Straßen, fast nur Gassen, welche von der Piazzale di Porta Romana in Richtung Norden, in Richtung Arno, zum Stadtzentrum führen.

Frühstück in der Nachbarschaft

Wir suchen einen geeigneten Platz zum Frühstücken und finden keinen besseren als ein kleines Café an der Via Romana, selbstverständlich im Familienbetrieb: Die Nonna, die Großmutter des Hauses, hilft ihren Sohn an der Theke aus. Wir bekommen einen leckeren Capuccino sowie mit Vanille und Schokoladen-Creme gefüllte Cornettos, und setzen uns an den einzigen, langen, schmalen Wandtisch des Lädchens. Wir sind nicht alleine: Arbeiter, Angestellte, Studenten, Rentner und andere Anwohner scheinen Stammgäste hier zu sein und bilden dabei eine laute, bunte Gesellschaft. Vermutlich sind wir gerade die einzigen Touristen des Viertels.

Italienisches Frühstück
Italienisches Frühstück

Die Hügel um Florenz

Wir gehen weiter. Wir haben uns vorgenommen, uns der Stadt über einen schönen Umweg anzunähern. Statt der Via Romana zu folgen, bleiben wir erstmals am südlichen Ufer des Arno. Wir wollen die städtischen Hügel erkunden und wir gehen nach oben: Nur dort wird uns diese prächtige Stadt regelrecht zu Füssen liegen!

Vom Piazzale di Porta Romana nehmen wir nun den hügeligen Weg des Viale Niccoló Machiavelli an diesem heißen Tag auf uns zu. Unter dem Schatten riesiger Kastanienbäumen gehen wir hoch bis zum Piazzale Galileo und entdecken schöne Villas, welche von großzügigen Gärten und Bäumen, darunter viele Zypressen, umgeben sind. Hier, mitten in der Stadt, ist die Natur so allgegenwärtig wie sonst nur auf dem Land.

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Ansicht der Hügel um Florenz vom Viale Galileo Galilei aus

Weiter aufwärts folgen nun den kurvenreichen Viale Galileo Galilei und machen eine Entdeckung: An einem traumhaften Garten gelegen, umgeben von blühenden Jasmin- und Rosensträuchern, befindet sich ein kleines, aber feines florentinisches Restaurant: Das Châlet Fontana. Wir haben uns gemerkt, dass der Mittagstisch eine Leckerei anbietet, die wir morgen, vor unserer Abreise, nicht verpassen werden: Pollo alla Florentina, eine Hähnchen-Spezialität mit Bohnen, Zitronen und toskanischen Kräutern!

Jetzt sind wir schon soweit, dass wir die ersten Wahrzeichen von Florenz entdecken. Die Mauern des Schlosses Belvedere und dabei auch die Hügel von San Domenico und Fiesole geben uns eine Idee der wunderschönen Höhen, welche diese Stadt umgeben.

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Ansicht der Hügel um Florenz vom Viale Galileo Galilei aus

Die unverkennbare Kuppel der Kathedrale Santa Maria del Fiore lässt sich ebenfalls zwischen den Bäumen entdecken. Die Aussicht wird immer schöner, je weiter wir den Viale Galileo Galilei hoch gehen.

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Aussicht von Florenz vom Viale Galileo Galilei aus

Von der Serpentinenstraße zum heiligen Ruheort

Weiter oben entdecken wir rechts des Viale Galileo Galilei die Treppen zur Basilica San Miniato al Monte. Hier finden wir auch einige Touristen, welche das perfekte Bild des imposanten marmornen Eingangs festhalten wollen. Der heilige Minias, ein armenischer Prinz und christlicher Märtyrer, der um 250 nach Florenz kam und dort ebenfalls den Tod fand, ist hier begraben worden. Mit Baujahr 1013, gilt die Basilica als eine der schönsten Kirchen Italiens.

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Fassade der Basilika San Miniato al Monte

Für uns ist San Miniato al Monte der beste Platz für eine kurze Pause. Nicht nur die Kirche, das dazu gehörige Kloster und die Aussicht wirken sich inspirierend auf uns aus. Der Friedhof, welcher seit dem 19. Jahrhundert die Kirche umgibt, ist eine Oase der Ruhe und birgt Gräber mit bewegenden Inschriften wie „Hier liegt unser Herz begraben“, umgeben von Rosen und Zypressen.

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Friedhof an der Basilika San Miniato al Monte

Das Ansichtskartenbild: Florenz in aller Pracht!

Weiter oben kommen wir zum Piazzale Michelangelo. Florenz in ihrer ganzen Pracht liegt auf einmal vor unseren Augen. Von Ost nach West sehen wir von der Ferne den Turm des Palazzo Vecchio und die imposante Kathedrale Santa Maria del Fiore. 

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Ansicht von Florenz vom Piazzale Michelangelo aus

Dann wird es Zeit für eine kleine Erfrischung: Unten im Terrassencafé nehmen wir eine kühlende Spremutta di Limone, oder di Arancia, eine Limonade gemacht aus frischgepresste Zitronen, oder Orangen, eiskaltem Wasser und Zucker: Das absolut unverzichtbare Getränk für heiße Tage in der Toskana!

Leder-Shoppen hinter dem Franziskaner-Kloster

Nun wird es Zeit, in Richtung Stadt zu gehen. Zügig nehmen wir den Weg nach unten und überqueren den Arno zum ehemaligen Gerberviertel. Die Basilica und die Piazza di Santa Croce erwarten uns. Mit Baujahr 1294, soll die Basilika selbst vom Heiligen Franziskus von Assisi gegründet worden sein. Begraben liegen hier italienische Größen wie Machiavelli, Michelangelo, Galilei und Rossini.

Santa Croce
Basilika Santa Croce

Wir nutzen hier die Gelegenheit aus, um bei der Scuola dei Cuoio, der berühmten Lederschule von Florenzvorbeizuschauen. Dafür nehmen wir die Via San Giuseppe und, etwas versteckt hinter der Basilika, finden wir den Eingang. Schüler aus aller Welt arbeiten fleißig in der Werkstatt, auf der oberen Etage befindet sich der Shop. Gut beraten, finden wir das perfekte, hochwertige Stück: Eine feine Biker-Jacke aus scharlachrotem Leder!

Das beste Eis der Stadt

Stadt inwärts kommen wir über die Via Torta zur Via dell’Isola delle Stinche und entscheiden uns kurzerhand für eine eisige Erfrischung: Wir kommen an die traditionsreiche Eisdiele Gelateria Vivoli vorbei und sind nicht die Einzigen: Sogar zum Mitnehmen bestellen die Florentiner ihre Lieblingseisorten, welche nur aus drei bis vier Zutaten bestehen und aus regionalen Früchten hergestellt werden.

Vivoli
Saisonal frische Eissorten der Gelateria Vivoli, Foto: ©Gelatteria Vivoli

Der Stolz von Florenz: Die Kathedrale Santa Maria del Fiore

Nachdem wir unser Eis am kleinen Plätzchen gegenüber der Gelatteria Vivoli in aller Ruhe genossen haben, gehen wir weiter. Unser Ziel: Die Kathedrale Santa Maria del Fiore aus der Nähe zu sehen! Wir wenden nun links von der Gelatteria Vivoli in die Via della Vigna Vecchia bis zum Museo Nazionale del Bargello (das älteste öffentliche Gebäude von Florenz, gebaut um 1255) und dann rechts in die Via del Proconsolo, an die Badia Fiorentina (die „florentinische Abtei“, gegen Ende des 13. Jahrhunderts gebaut) vorbei.

Es geht weiter links zur Via Dante Alighieri, an der sich das bemerkenswerte Museo Casa di Dante befindet. Zurück an der Via del Preconsolo gehen wir weiter an der Imposanten Fassade des Palazzo Pazzi vorbei. Dieses Palazzo gehörte der Familie Pazzi, Gegenspieler, beziehungsweise regelrechte Feinde der Familie Medici im 15. Jahrhundert.

Weiter geht es nun bis zur Piazza del Duomo: Kaum dort angelangt, fixieren sich unsere Augen auf die gewaltige Kuppel der Kathedrale Santa Maria del Fiore. Wenn auch der Bau der Kathedrale bereits im Jahr 1296, nach Plänen von Arnoldo di Cambio, anfing, wurde die Kuppel erst zwischen 1418 und 1434 von Fillipo Brunelleschi fertiggestellt. Die Kuppel gilt als charakteristisches Wahrzeichen der Florentiner Renaissance.

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Ansicht der Kuppel der Kathedrale Santa Maria del Fiore

Ebenfalls imposant, gegenüber der Kathedrale: Das Campanile di Giotto, der Glockenturm Giottos, gebaut zwischen 1298 und 1359, sowie das Battisterio di San Giovanni, die Taufkirche des Florentiner Doms, im 11. Jahrhundert geweiht.

Mittagessen wie und mit allen anderen

Nun müssen wir uns beeilen: Die meisten Restaurants in Italien öffnen bis spätestens 15 Uhr in der Mittagszeit! Jetzt geht es zügig in Richtung Piazza San Lorenzo über die Via de’ Martelli. Wir wenden links an der Via de‘ Gori und haben erstmals Mühe unseren heißen Tipp fürs Mittagessen zu entdecken. Wir suchen die Trattoria Sergio Gozzi und finden sie erstmals nicht. Dann aber erkennen wir das Schild über eine sehr schmale, unscheinbare Tür direkt vor der Basilica di San Lorenzo, neben einem einfachen Lederwarengeschäft. Einmal drin, sind wir erstmals von der gotisch gewölbten Decke beeindruckt sowie vom Kontrast des historisch angehauchten Gebäudes mit der einfachen Holzeinrichtung. In der Trattoria Sergio Gozzi lässt sich lecker, unprätentiös und gemütlich, richtig Florentinisch essen und zwar seit 1915!

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Ein typisches Pasta-Gericht in der Trattoria Sergio Gozzi, Foto: ©Trattoria Sergio Gozzi

Die Medici: Wo Kunst und Geschichte sich vereinen

Nach dem Essen, machen wir einen entspannten Spaziergang um die Basilica San Lorenzo herum. Dort befindet sich die Capelle Medicee, die Grabkapelle der Familie Medici, welche künstlerisch sowie architektonisch von Michelangelo im Jahr 1521 gestaltet wurde. Bevor wir den Nachmittag ausklingeln lassen, wollen wir etwas mehr von dieser einflussreichen Familie erfahren und gehen in den benachbarten Palazzo Medici Riccardi an der Via Camilo Cavour. Uns interessiert vor allem eins: Die Fresken von Benozzo Gozzioli, „Die Prozession der drei Könige“, von 1459.

In diesem Kunstwerk ließen sich die Medici mit ihren Vertrauten, Geschäftspartnern und Mitarbeitern allegorisch verewigen. Dem heutigen Besucher vermitteln die Fresken eine Vorstellung des Vermögens und der Macht dieser ursprünglich vom florentinischen Umland stammenden Familie in der damaligen Wirtschaftsmacht Florenz.

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Ausschnitt von der „Prozession der Heiligen drei Könige“, Benozzo Gozzioli, 1459 – Palazzo Medici Riccardi

Ein Abendspaziergang ins lebendige Herz der Stadt

Nach ein paar Stunden Ruhepause im Hotel, machen wir uns fertig für das Abendessen. Wir überqueren den Fluss am Ponte Santa Trinita in Richtung Stadtzentrum, wovon wir eine wunderbare Abendansicht des Ponte Vecchio, der ältesten Brücke über den Arno, festhalten. Hier waren hauptsächlich Fleischer und Gerber ansässig, bevor Cosimo I. de Medici im Jahr 1565 per Dekret die Goldschmiede dort platzierte. Bis heute sind die Juweliere der Stadt auf der Brücke niedergelassen.

Florenz
Der Ponte Vecchio unter der Abendsonne

Einige Meter weiter am Ufer entlang, östlich des Ponte Vecchio, erreichen wir die Piazzale degli Uffizi, mit seinen vielen Skulpturen berühmter italienischer Künstler. Hier befindet sich seit 1580 die Galleria degli Uffizzi, eines der bedeutendsten Sammlungen italienischer Kunst seit der Antike bis zum Spätbarock.

Auf der Straße sorgen die unterschiedlichsten Musikanten für eine fröhliche Abendatmosphäre unter den weichen Licht der Laternen. Nun erreichen wir das Herz von Florenz: Die Piazza della Signoria, genannt nach der republikanischen Regierung der Stadt, und gestaltet in ihrer heutigen Form seit dem Jahr 1268. Mit dem Palazzo Vecchio (gebaut zwischen 1299 und 1314), der Replik des imposanten David von Michelangelo und der Loggia die Lanzi, dam Arcadenbau des Platzes, bildet dieser Komplex eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Italiens.

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Ansicht der Piazza della Signoria

Dinner-Time! Das kulinarische Must-Have von Florenz

Am Palazzo Vecchio vorbei, nehmen wir die Via die Gondi, dann gehen weiter geradeaus bis zur Piazzale di Santa Croce und wenden in Richtung Via Giuseppe Verdi. An der Kreuzung zur Via die Lavatoi, befindet sich nun die familiengeführte Osteria dei Pazzi, wo wir das Nonplusultra der florentinischen Spezialitäten bestellen: Die Bistecca Florentina, ein saftiges, blutig gegrilltes T-Bone Steak. Wir nehmen Bohnen, Kartoffeln und natürlich eine Flasche Chianti dazu. Begleitet vom unbeschwerten Gesang des Kellners, kommt unser ein Kilo schweres T-Bone-Steak auf den Tisch (ein Kilo ist übrigens die richtige Größe für zwei Portionen). Es duftet herrlich und verschmilzt regelrecht auf der Zunge.

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Die Bistecca

Der Morgen danach: Ein Abschied im Grünen

Unser Blitzbesuch in Florenz kommt dem Ende zu. Wir haben uns der Stadt von den Hügeln aus angenähert, dann sind wir in ihr Herz eingedrungen, ihre Highlights entdeckt und ihre kulinarischen Kostbarkeiten in italienischer, familiärer Atmosphäre genossen. Bevor wir schweren Herzens losfahren, wollen wir noch aber ihr „grünes Herz“ erkunden: Den Giardino di Boboli, den größten florentinischen Park am Südufer des Arno.

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Ansicht des Giardino di Boboli

Hinter den Palazzo Pitti, dem Hauptsitz der Medici als Großherzöge der Toskana, gelegen, wurde der Garten von Eleonora von Toledo, der Frau Cosimo I. de Medici im 16. Jahrhundert angelegt. Der Giardino di Boboli beherbergt eine wichtige Sammlung klassisch-thematischer Skulpturen und ist ein Genuss für die Sinne, dank der Frische seiner Duftpflanzen und der Schönheit seiner Komposition.

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Ansicht des Giardino di Boboli

Florenz ist eine Stadt, die jeden Besucher auf Anhieb in ihren Bann zieht. Sie ist monumental, überfüllt, sehr alt, voller Geschichte, etwas chaotisch… und doch unheimlich inspirierend und überraschenderweise entspannend. In Florenz wird man sofort seinen eigenen Gedanken los. Auf jeder Straße gibt es viel zu entdecken, viel zu sehen, viel zu spüren und zu schmecken. Dort ist die Geschichte in einer so seltsamen Art und Weise durch die monumentale, imposante Architektur noch so lebendig, dass die eigene Existenz kurzlebig vorkommen kann: Vor uns ist viel passiert und das Leben wird hier vermutlich bis zur Unendlichkeit weitergehen!

 

 

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